Kreta (September 2015)

Nun also auf zur letzten Etappe vor dem Zieleinlauf. Mittags am 06.09. holten wir den Anker ein.

Einen Tag später, nach entspanntem Segeln, liefen wir frühmorgens in Chania auf Kreta ein und bekamen auch sofort ein Plätzchen im Stadthafen, der sich jedoch als reine Folter erweisen sollte. Genau gegenüber der Ente, keine 20 m entfernt, reiht sich ein Restaurant nach dem anderen an der Hafenfront auf. An sich nichts Schlimmes, aber ab etwa 20:00 Uhr brach ein Höllenlärm aus. Jedes dieser Etablissements versuchte, noch ein bißchen lauter sein zu müssen als der Nachbar. In einem dröhnte Techno, nebenan war es griechische Folklore, live, versteht sich. Ruhe gab es erst ab ca. 03:00 Uhr.

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Die Ente vor der Hölle von Chania

Dafür war der Hafenmeister ein ausgesprochen netter Mensch. Er residiert in einer kleinen, ehemaligen Moschee.

Ansonsten ist Chania Tourismus pur. Wir sind definitiv zum falschen Zeitpunkt vor Ort. Menschenmassen, wohin man auch schaut. Wir nehmen’s mit Demut und machen das beste daraus.

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Zeugnisse aus der Zeit des Osmanischen Reiches

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Chania

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Lauschiges Plätzchen

Am 11.09. packen wir die Koffer und ziehen einen Ort weiter, nach Rhetimnon, wo wir einen Liegeplatz in der dortigen „Marina“ bekommen, der weitab von Lärm und Touristen ist. Dafür nehmen sie hier Gebühren, dass es einem schwindelig wird. Wasser und Strom gibt es, kostet aber 5,00 €/Tag. Dazu noch die Liegegebühren, die mit aber mit 6,00 € als ausgesprochen günstig ausfallen. Zum Glück bekommen wir die Höhe der Nebenkosten nach 3 Tagen mit, eigentlich wollten wir danach weiter. Weil es uns aber ausgesprochen gut gefallen hat in Rhetimnon, verlängerten wir. Die angehängten Tage lassen wir (offiziell!) strom- und wasserlos, da es keine Möglichkeit für den Marinabetreiber gibt, Verbräuche festzustellen. Bei der Höhe der Kosten haben wir auch kein schlechtes Gewissen.

Das Städtchen selbst sagt uns mehr zu, als der Vorgänger. Auch hier Massen von Touristen, aber man kann dem, landeinwärts ziehend, entgehen. So verbringen wir ein paar entspannte Tage mit Bummeln, Faulenzen und Wandern.

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Rhetimnon mit Hafen

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Rhetimnon

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Kontemplative Pause

Am 18.09. ist Schluß und es geht weiter nach Agios Nikolaos, mit einer Zwischenübernachtung in einer Bucht der Insel Dia, die der Hauptstadt Iraklion vorgelagert ist.

Nachmittags am 19.09. laufen wir in Agios Nikolaos ein, einer in Seglerkreisen bekannten Überwinterungsmarina. Das manifestiert sich sofort bei der Anmeldung im Büro, wo man uns eröffnet, das wir spätestens zum 01.10. den Hafen wieder verlassen müßten, da er für den Winter komplett ausgebucht sei. Wir beruhigen das Management, unsere Abreise sei für den 27.09. terminiert.

Es sind schon so einige Langzeitsegler da, allen voran – wie üblich – die Briten. Sie organisieren bereits das eine oder andere Event und so gibt’s erst einmal einen netten Grillabend.

Agios Nikolaos selbst unterscheidet sich in nichts von den beiden vorangegangenen Städtchen, Touristen, wohin man schaut. Zum Überwintern ist das für uns keine Alternative. Der Tourismus kommt spätestens im November so allmählich zum Erliegen, dafür aber auch alles andere, was damit zusammenhängt, Tavernen, Cafes, Kneipen. Wir sind sicher, mit Zypern die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

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Agios Nikolaos

Dem Trubel entgehen wir, indem ein Auto gemietet wird. Eine Fahrt ins Hinterland steht auf dem Programm, Lato, eine dorische Siedlung ist das Ziel.

An dieser Stelle eine Anmerkung zu den auf Kreta fast überall anzutreffenden Überbleibsel minoischer Kultur. Wir hatten bereits in den 80 zigern die Gelegenheit, uns ausgiebig mit den kulturellen Errungenschaften Kretas auseinanderzusetzen und sie zu besuchen. Viele davon lohnt kein zweiter Besuch, vor allem Knossos, das der gute Evans in seinem Wahn derart zubetoniert hat, das vom alten Kern nicht mehr viel übrig geblieben ist. Also beschränken wir uns auf Plätze, die uns ohne Einschränkung gefallen haben. Dazu gehört Lato, weitab von den üblichen Routen, inmitten einer hügeligen Landschaft, unspektakulär.

Als wir ankommen, müssen wir erst einmal Eintritt zahlen, gab’s beim ersten Besuch nicht. Uns schwant nichts gutes, die Befürchtungen stellen sich jedoch als unbegründet heraus. Die Ausgrabungsstätte stellt sich nach wie vor als ein Hort der Ruhe dar, nur von wenigen besucht. Wir genießen den Aufenthalt.

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Landschaft bei Lato

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Das alte Lato

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Zu Zeiten Latos war Agios Nokolaos der zugehörige Hafen. Zum Schutz vor Piraten hatte man sich mit dem Bau der Stadt landeinwärts orientiert.

Zurück im Leben besuchen wir Seglers Liebling: Lidl.

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