Peleponnes (August/September 2015)

Erster Stop Katakolon am 15.08. Als wir in den Hafen einlaufen stellen wir fest, dass wir in einer anderen Welt gelandet sind. Kaum Boote im Hafen, 5 oder 6 Besucheryachten. Nach dem Festmachen (römisch-katholisch) findet sich tatsächlich Strom- und Wasseranschluß an der Pier und zu unserer Überraschung: er funktioniert sogar. Außer uns noch ein Franzose, ein Brite, ein Däne. Es entspannt sich eine nette Unterhaltung über die Boote hinweg, in deren Verlauf die Briten unbedingt dazu raten, mit dem Zug das historische Olympia zu besuchen, was allerdings schon auf unserer Agenda stand.

Anschließend Gang durch die Gemeinde zum Kaffeetrinken. Es gibt nur wenig Tourismus. Dieser beschränkt sich auf die Passagiere von Kreuzfahrtschiffen, die fast täglich (!) den Hafen anlaufen, an einer zu diesem Zweck gebauten riesigen Mole festmachen und ihre Fracht zum Besuch der olympischen Kultstätte ausspucken. Für kurze Zeit ist Katakolon dann wegen Überfüllung geschlossen. Abends alles wieder ok.

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Im Hafen von Katakolon, Ankunft eines Kreuzfahrers

Bei der Suche nach einem Zugfahrplan müssen wir erkennen, dass sich dieser nach dem Eintreffen der besagten Urlaubsdampfer richtet. Also herumgefragt und für den Folgetag einen Treffer gelandet.

Abfahrt pünktlich um 09:00 Uhr. Die Fahrt dauert gut eine halbe Stunde und endet praktischerweise in unmittelbarer Nähe des Zuganges zum Olympia-Gelände. Leider sind wir natürlich nicht die einzigen, und so ist erst einmal Schlangestehen angesagt. Die Sprachvielfalt der Besucher ist ungeheuer. Ich glaube, ich habe noch keinen Ort besucht, an dem so viele Nationalitäten anzutreffen sind, vom Oktoberfest einmal abgesehen, aber diese Veranstaltung hat ja nichts mit Kultur zu tun.

Bis zur Rückfahrt des Zuges haben wir gut 2 Stunden Zeit, eigentlich zu wenig, aber angesichts der Massen, die durch das Gelände strömen, reicht es uns.

Die Kultstätte an sich ist erstaunlich gut erhalten und wird offensichtlich auch mehr oder minder gut instand gehalten. Am beeindruckensten natürlich die Wettkampfarena, in der sich schon Herrschaften wie Nero austoben durften. Wer will, kann auch heute noch seine Runden drehen, wir haben aus Temperaturgründen darauf verzichtet.

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Olympia-Gelände

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Der Zugang zur Arena

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Die Wettkampfstätte

Nächster Halt Kiparissia am 18.08. Eine griechische Kleinstadt ohne großen Tourismusrummel aber mit besten Versorgungsmöglichkeiten. Der Hafen gepflegt, es gibt sogar einen Wasseranschluß. Die Küstenwache kontrolliert, es sind allerdings auch hier nur eine Handvoll von Booten. Wir werden von einer gutaussehenden Dame überprüft, die jedoch einen Fehler in ihren Notizen machte, denn am nächsten Tag rückte die halbe Mannschaft an, um sich ein Boot anzusehen, das in Panama registriert ist. Nach einigem Hin und Her wurde der Irrtum aufgeklärt und alle waren zufrieden.

Neben uns liegt ein Engländer, der sein Boot über Winter hier geparkt hat (römisch-katholisch). Bei seiner Rückkehr stellt er Bewegungen im Schiff fest, die eigentlich nicht hätten sein dürfen. Also will er den Anker neu setzen, beim Einholen der Kette kommt aber kein Anker mit! Er vermutet Diebstahl. Können wir uns nicht vorstellen, also greift sich die Skipperin Maske und Flossen und sucht den Grund ab. Und sie findet ihn! Die Freude bei den Briten ist groß, zur Belohnung gibt’s einen Ausflug zu Lidl.

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Kiparissia in Sicht

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Der Hafen von Kiparissia

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Entspannung im Cafe

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Kiparissia

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Die Freude der Briten nach wiedergefundenem Anker

Frohgestimmt nach derlei Überraschungen brechen wir am 21.08. nach Pylos auf, nur ein paar Meilen weiter südlich. Die Kleinstadt erlangte Berühmtheit, weil die kreisrunde Bucht (Navarino), an der sie liegt, Schauplatz einer heftigen Seeschlacht war. Am 20. Oktober 1827 besiegte die alliierte Flotte aus Briten, Franzosen und Russen die türkisch/ägyptisch/tunesische und war das entscheidende Ereignis, mit dem Griechenland seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erlangte.

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Die Bucht von Navarino

In Gedenken an die Helden von Navarino (nicht zu verwechseln mit Navarone!) gingen wir am Abend erst einmal gemütlich essen.

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In Pylos

Der Hafen, in dem wir längsseits gehen konnten, wurde im Revierführer als Marina angepriesen. Wie fast überall in Griechenland eine maßlose Übertreibung, es gab weder Strom noch Wasser, von Sanitäranlagen ganz zu schweigen. Andererseits: Es kostet nichts!

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Längsseits in Pylos

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Hafen und Stadt

So blieben wir bis zum 24.08., um wieder nur ein paar Meilen weiter, um den ersten Finger des Peleponnes herum, vor Methoni zu ankern. Das Bedeutenste des Ortes ist in der Tat der Ankerplatz und eine aus venezianischer Zeit stammende Festung. Die übrigen Highlights sind ein bescheidener Tourismus und eine Reihe damit in Zusammenhang stehender Tavernen, von denen wir natürlich einige ausprobieren mußten. Insgesamt ein lauschiges Plätzchen zum Abhängen.

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Kastell in Methoni

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Die Reede vor Methoni

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Methoni

Nächster Stop Koroni am 26.08. Hier gab’s nur eine Übernachtung und auch sonst nicht viel zu berichten, bis auf das Ankermanöver am nächsten Morgen. Schon am Vortag hatten wir bei der Ankerkontrolle festgestellt, dass sich das Eisen zwischen zwei mächtigen Gesteinsblöcken verklemmt hatte. Beim Ankereinholen waren wir also vorgewarnt. Und richtig, der Anker ließ sich nicht einen Millimeter bewegen. Die Skipperin packte unser Tauchgerät aus und versuchte am Grund etwas zu bewirken, alles vergebens. Als letzte Option blieb also nur die nackte Gewalt. Lose auf die Kette gegeben, Leine an den Anker gebunden, Anlauf und mit Speed in die Leine gefahren, ein kurzer Ruck und der Anker war frei!!

Nach diesem Abenteuer freuten wir uns auf Kalamata, das wir am Nachmittag des 27.08. anliefen. Hier erwartete uns endlich eine Marina, wie man sie gewohnt ist. Wasser, Strom, ordentliche Duschen und eine Menge Tavernen.

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Kalamata Marina

Mit fast 70.000 Einwohnern gab es so etwas wie Großstadtflair. Die Stadt im Schatten einer Burg, die von fränkischen Kreuzfahrern im 13.Jahrhundert errichtet worden war, entpuppte sich als wahres Kleinod. Aufgeräumt, mit einem gelungenen Nebeneinander von Moderne und Altstadt, fahrradtauglich. Das die Versorgung hervorragend war, versteht sich.

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Kalamata von der Burg aus gesehen

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Eisenbahnmuseum

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Kalamata mag keine Katzen!

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Unser Lieblingscafe

Wir waren so begeistert, dass wir spontan überlegten, unser Winterquartier hier aufzuschlagen, ließen den Gedanken aber wieder fallen, da wir auf Zypern schon eine Anzahlung geleistet hatten. Aber wir behalten die Marina im Kopf, denn wir müssen aus dem östlichen Mittelmeer irgendwann wieder zurück.

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Quirlige Innenstadt

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Viele Tavernen in der Stadt

Es wurden schöne Tage, auch weil sich Gaby und Harald aus München dazu gesellten, zwei ausgesprochen sympatische Zeitgenossen, die mit der Langfahrtsegelei gerade erst begonnen hatten. Sie wollten noch in die Ägäis und dann eventuell auch nach Zypern.

Gemeinsam mit unseren neuen bayerischen Nachbarn brachen wir am 01.09. nach Limeni auf. Limeni ist ein winziger Ort in der Mani, ein Teil des Peleponnes, der den gesamten mittleren Finger umfaßt. Die Mani ist bekannt durch ihre Wehr-und Wohnturmarchitektur, die im engen Zusammenhang mit der jahrhundertelang praktizierten Blutrache steht. Die Wohntürme boten Schutz und Rückzugsorte für die verfeindeten Clans. Heute haben Architekten diesen Kubismus aufgegriffen und wunderschöne Gebäude mit den verschiedensten Funktionen überall in der Mani geschaffen.

Limeni ist ein optisch eindrucksvolles Beispiel dafür. Das Restaurant, in dem wir abends speisten, ist in einem solcher Gebäude untergebracht. Das hat alles seinen Preis, dafür haben wir aber während unserer Zeit in Griechenland nirgendwo so gut gegessen.

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Ankern vor Limeni

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Mani-Architektur

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Auch die Restaurants sind durch den Mani-Stil geprägt

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Mit Gaby und Harald beim Essen

Einen Tag später, 02.09., machten wir uns auf nach Porto Kaio, um den zweiten Finger herum, während Gaby und Harald wieder Richtung Kalamata aufbrachen.

Eigentlich in einer tiefen Bucht gelegen, zeigte es sich, dass auch noch unmittelbar vor dem Ort ein Wind von den Bergen pfiff, der z.T. sehr heftig ausfiel. Also den Anker gut einfahren. Der Ankergrund, obwohl Sand, stellte sich als so hart heraus, dass wir diverse Versuche brauchten, bis das Eisen richtig saß. Zum Glück konnten wir genügend Kette stecken, befestigten aber trotzdem eine Tripleine mit Boje am Anker. Später sah ich einen Franzosen nach seinem Anker tauchen, er kam zu uns herüber geschwommen und fragte scherzhaft nach einem Hammer, um seinen Anker in den Grund zu schlagen.

Der Ort selbst besteht aus 3 Tavernen am Ufer und einigen Hotels im Manistil. Eines davon besuchten wir, um uns nach den Konditionen zu erkundigen. Zur völligen Entspannung ist Porto Kaio genau das Richtige.

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Die Ankerbucht vor Porto Kaio

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3 Restaurants und sonst kaum etwas

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Anwesen in den umliegenden Bergen

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Eines der wirklich netten Hotels

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Und abends Kalamari

Letztes Ziel am Peleponnes war am 04.09. Elefanissos, gegenüber von Porto Kaio am dritten Finger gelegen. Zu dieser karibischen Doppelbucht gibt es nicht viel zu sagen, die Bilder sprechen für sich.

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Vor Anker in einer karibisch anmutenden Bucht

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Die Bucht

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So blau hatten wir es auf der Reise noch nie

Fazit Peleponnes: Hat uns besser gefallen als das Ionische Meer, obwohl deutlich rauer mit viel Wind. Aber dafür wird man mit nur wenig seglerischem Betrieb und einer vor allem grandiosen Landschaft belohnt.

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